Joline Krenkel "Ewig bleibend ist der Wechsel" 

Fassdaube / 2026

Ewig bleibend ist der Wechsel

 

Worte meiner Oma begleiten mich -

 

immer wieder neu.

 

Was hatte einst eine Funktion -

 

umschlungen von Efeu.

 

Tragisches Gestern -

 

nichts bleibt, wie es ist.

 

Romantisches Gestern -

 

das man vielleicht vermisst?

 

Schmerz und Tränen entfernen sich weit -

 

werden zu schwebend leichtem Glück.

 

Von Einsamkeit umschlungen -

 

geh noch ein kleines Stück.

 

Asche zu Asche -

 

verbrannte Erde rundherum.

 

Doch starke Wurzeln

 

wirft der Sturm nicht um.

 

 

Joline Krenkel 

09.07.2026


Normalerweise reift ein Bild aus meinem Herzen.

Nie zuvor gestaltete ich Skulpturen, nie zuvor mit einem vorgeschlagenen Thema, doch

hier ist es, das Kind von Gefühl und Fantasie.

Es erzählt wieder von den gleichen persönlichen, mir ganz eigenen Themen und doch

wollte ich es offen lassen, für Raum, für die Themen der Betrachtenden und ihren ganz

eigenen Gefühlen.

Efeu findet man überall. Auf Friedhöfen über ehrwürdigen Mauern, strahlt er morbide

Abschieds-Romantik aus. Und gleichzeitig ist er nicht tot zu kriegen, immer wieder bahnt

er sich einen Weg! Ungünstige Lebensbedingungen gibt es für ihn scheinbar nicht.

Die Fassdaube war nur ein Teil von etwas Größerem, sie hatte eine Funktion und das

Größere hatte eine Funktion. War sie für Wasser oder Wein? Leben oder Leiden, oder

Leidenschaft?

Der Funktion entrissen - welchen Wert hat sie noch?

Sie ist Teil der Efeuranke geworden, sie gibt ihr Halt, sie ist zum Grundgerüst geworden.

Sie wird als Skulptur länger leben als gewöhnlich, sie wird erst in weiter Zukunft

vergehen. Man wird auf sie achten, denn sie hat nun eine Funktion für den Efeu und der

Efeu gibt ihr Bedeutung.

Alles steht in Beziehung und alles bekommt erst dadurch Bedeutung: Auf den ersten Blick wirkt mein Werk düster und traurig wie die anderen auch, doch der unbändige Lebenswille des Efeus rückt ihn dann doch in ein neues Licht.

Was Efeu und Fassdaube bedeuten, entscheidet letztlich der Betrachter.

Mehr wollte ich nicht erreichen.

Joline Krenkel

09.07.26