Karl Herrmann (1933-2025)
Künstler – Kunsthistoriker - Architekt -
Freund und Weggefährte von
Otto Müller-Eibenstock
Karl Herrmann starb am 24.08.2025
Die Zeichnung (Abb.) entstand 9 Tage vor seinem Tod.Karl Herrmann - ein Lebenswerk gewidmet der ästhetischen Information
(...)Zu Vieles hat den Begriff (ästhetischen Information) seit den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts - denn da setzen Verständnis und Lehre von Karl Herrmann ein - verwischen lassen bis zur billigen Verallgemeinerung. Kern und Ausgangspunkt im Denken des Künstlers ist die Semiotik, das heißt die Lehre von den Zeichen. Herrmanns geistige Entwicklungsjahre fallen in die Jahre der stärksten Wirkung von Max Bense und Elisabeth Walther zur Durchsetzung der ästhetischen Information. In einer Schrift, einem „Bilderbuch der Semiotik", gewidmet, Elisabeth Walter-Bense zum neunzigsten Geburtstag, bedankt er sich für die klare intellektuelle Führung der beiden Forscher. Er beantwortet deshalb die Frage nach der Semiotik mit den Sätzen: „Die dreistellige Semiotik wurde von Charles Sanders Peirce (1839-1914) gegründet und von Max Bense (1910-1990) und Elisabeth Walther (geb. 1922) in Stuttgart weiter entwickelt". Diese Schrift ist ein praktisches kleines Handbuch und beleuchtet die triadische Semiotik bis in die grundlegenden Aufgliederungen, an denen die Typographie, das heißt die semiotische Zuordnung der gestalteten Letter für Herrmann selbst wichtigsten Anteil hat.
Wenn die Aufgliederung dertriadischen Semiotik heute vor allem ein semiotisch-ästhetisches Insiderwissen befruchten mag, ist der Übergang der einer Ästhetik von den Problemen der Zeichen zu den Problemen der Information zur Selbstverständlichkeit geworden. Nach Max Bense („Aesthetica 2". 1956) ist die Fortsetzung im erweiterten Sinn als vom ästhetischen Gegenstand zu einer Information des nachrichtentechnischen und strengen informationstheoretischen Begriffs aufzufassen. Wie nur wenige Zeitzeugen der Stuttgarter Semiotik konnte Herrmann ertragreichen gestalterischen Nutzen aus ihr ziehen. Es sind die Felder der Typographie und der freien künstlerischen Graphik, die er recht eigentlich im umgekehrten Sinne für die Praxis der Semiotik gewonnen hat und das in einer unerwarteten Vielfalt. Herrmann, ein belesener Künstler und ein Beobachter der Entwicklung der Künste, konnte damit der experimentellen Lyrik - mit Rückblicken auch auf die Klassik von Goethe - neue Sichtweisen abgewinnen. Der freien künstlerischen Graphik öffnete er in unmittelbarer Übernahme semiotischer Prozesse bisher unbekannte Aspekte, wobei erfür die Gestaltungsmittel der Konkreten Kunst neue relationale Zusammenhänge zur Anwendung brachte. In der Typographie und in der Graphik beweisen die strengen informationstheoretischen Begriffe mit Hilfe der künstlerischen Praxis ihren Sinn und erfahren letztlich ihre Bewährung. Karl Herrmann hat es aber auch wiederholt verstanden, solche Abhängigkeiten im Wort transparent werden zu lassen. Das hat ihn ermächtigt, über Kollegen seiner Entwicklungsjahre, die er vorab im Erzgebirge erlebte, tiefgründige Gedenkreden zu verfassen. Es gelangt deshalb in das Kunsthaus Rehau mit ihm und seiner Ausstellung auch ein wenig bewusstes Kapitel deutscher Kunstgeschichte, das sich zudem unter oder gegen DDR-Herrschaft abspielte. Die Intellektualität der Stuttgarter Semiotik und die dem Erzgebirge eigene hochkarätige handwerkliche Gestaltung, die sich stets auf das Bauhaus und auf die „angewandte Kunst" in Schneeberg berufen konnte, gehen im Werk von Karl Herrmann eine notwendige Symbiose ein. Sie bedeutet nicht Abschluss einer Entwicklung, sondern zeigt Perspektiven auf (...). mehr
Quelle: (Karl Herrmann, typographische Konstruktionen und Variationen, Ausstellung IKKP Kunsthaus Rehau vom 08.11. bis 27.12.2013)