Nadine Lorenz   

Die Ballade von einer Tradition, die sich gewaschen hat

Hätte das der Hans von der Planitz sich gedacht,

welchen Auf- und Niedergang seine Heimat einst macht.

Würde er es glauben und sich grämen,

würde er noch hoffen oder sich schämen?

 

Einst ging die Entwicklung aufwärts sehr steil,

seit Erfindung des Webstuhls ´ne ganze Weil.

Im Vogtland spannen Fäden eine ganze Industrie,

es folgten die Veredler mit Farb‘ und Chemie.

 

Gleich an der Göltzsch, wo Planitz sein Vieh weiden ließ,

gründete die Firma, wer Weidenmüller, Ernst hieß.

Es folgten glorreiche Zeiten für die ganze Region,

die Expansion war Richard Schnöckels Lohn.

 

Es folgten Gebäude, die Technik und mehr,

bis 1940, dann wurde es schwer.

In der Not teilte man alles, auch den Raum,

mit der Keksfabrik Nadena, man glaube es kaum.

 

Eine Krise die endet mit Flucht und Enteignung,

man staunt, es geht weiter mit Wäsche unter Leitung

vom jungen Herrn Lorenz, der gab hierfür sein Leben,

um durchzuhalten und nach der Wende zu streben.

 

Ein Kampf blieb es weiter, ein Auf und ein Nieder,

nach seinem Tod auf ein Neues und wieder –

sein Sohn kam zu retten, was irgendwie ging,

das Damokles-Schwert manchmal ziemlich tief hing.

 

Dennoch wehrt sich die Firma trotzt allen Zeiten,

um im Göltzschtal die Menschen weiter zu begleiten.

Ihnen saubere Textilien zu bringen ins Heim,

gleich ob aus Synthetik oder aus Lein.

 

Denn eins das muss bleiben, eins das muss sein,

des Göltzschtals Geschichte gesponnen mit Garn

muss damals wie heute für alle da sein.

Und so hoffen wir weiter auf die glückliche Wende,

für den Wäscher und alle, auf dass es gut ende!


Inspiriert von Ihrer Idee der Kunstballade, habe ich einmal eine solche über unsere Firmengeschichte geschrieben (siehe Anlage).

Unsere Firma wurde im Jahr 1894 von Ernst Weidenmüller als Bleicherei und Appreturunternehmen gegründet. Unser vorderes Gebäude stammt aus dieser Zeit. In den Folgejahren wurde immer wieder erweitert und angebaut.

An unserem Standort weidete früher das Vieh der Auerbacher Schlossherren, daher die Bezeichnung Herrenwiese.

1920 übernahm Richard Schnöckel die Firma von Ernst Weidenmüller. Herrn Schnöckel gehörte bereits die heutige Ertex in Rodewisch.

Im Krieg wurde vorübergehend die Keksfabrik Nadena aus Köln im Gebäude aufgenommen. Im Obergeschoss sollen Hühner frei herumgelaufen sein, deren Eier für die Keks-Bäckerei genutzt worden sein sollen.

Nach der Enteignung 1952 wurde die Bleicherei zur Wäscherei umgenutzt. 1965 wurde mein Schwiegervater Klaus Lorenz als Betriebsleiter in Auerbach eingesetzt. Später ging er als Betriebsdirektor nach Plauen. Auerbach gehörte als ein Werk dazu. In der Zeit der Wende ergab sich die Möglichkeit den Betriebsteil Auerbach zu privatisieren, was mein Schwiegervater tat.

2004 erkrankte er schwer und wir entschieden uns nach Auerbach zu kommen, um die damals ca. 70 Arbeitsplätze zu retten. Seither kämpfen wir Jahr für Jahr um das Fortbestehen der Firma, obwohl die Rahmenbedingungen vom europäischen Vergaberecht bis zu den Energiepreisen immer schlechter werden. Das diese Firma bereits zwei Weltkriege, den Sozialismus und die Wende überlebt hat, lässt uns daran festhalten. Unser Motto lautet: unsere Vorgänger haben es geschafft, wir schaffen es auch! Nadine Lorenz 26.05.2026 

Quelle Bild:   https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/4KWBHW2VGEHW5ZHIMHEVJGZIHHVHMAKN