Johannes Wagner "Am Morgen"

Am gerade, hastig geöffneten Fenster steht ein Mann. Der Fensterflügel hat eine Tasse beiseite geschoben, die noch brennende Zigarette liegt auf dem Fenstersims und nicht in einem Aschebecher. Er ist erschrocken und kann kaum glauben, was er da draußen sieht - eine Stadt rüstet auf.

Auffallend sind im Vordergrund links 3 Bomben mit der Aufschrift H. Es sind Wasserstoffbomben in der gleichen rostroten Farbe, wie die weiter hinten in der Häuserreihe stehende Hausruine. Die Häuser rechts und links der Ruine, allesamt mit Läden, die Waren der Kriegsführung anbieten, bilden einen Innenhof. In ihm wird mit zu dieser Zeit möglichen Kriegsmaschinerie demonstriert wird. Die Menschen in diesem Hof scheint das nicht zu stören. Selbst Kinder spielen hier unbeschwert. Nur eine Szene mit dem Mann mit erhobenen Armen, der vor Schreck vor sich hin uriniert, weißt auf das Kriegstraum nach dem zweiten Weltkrieg hin. Haben das die Menschen schon vergessen? Auch im Hintergrund wird Krieg geübt. Der kleine Himmelsausschnitt ist gelb. Keine Vegetation.

Neben dem geöffneten Fenster hängt ein Kalender. Er zeigt den …. 1958.

Es ist das Jahr, in dem zwischen den Großmächten USA und UdSSR der Kalte Krieg auf seinem ersten Höhepunkt war. Der Welt droht durch das ungehemmte Aufrüsten wieder Krieg. Die Wasserstoffbombe war da. Sie hat eine wesentlich größere Zerstörungskraft als die Atombombe erster Generation. Es begann die Debatte über den Einsatz von Kernenergie.

Erste Tests der H-Bombe führte die USA 1952 durch. 1955 war die Bombe einsatzbereit. Die UdSSR testete vermutlich am 12.8.1954 die erste Wasserstoffbombe. Das Wettrüsten war in vollem Gang. Hauptsächlich Physiker verlangten das Verbot des Einsatzes von Nuklearbomben. Eine Friedensbewegung gab es nicht. Die entstand erst in den 60er Jahren.

Die USA planten 1958 in Alaska die Operation Chariot, in der eine Reihe von Wasserstoffbomben gezündet werden sollte. Zunächst sah der Plan den Bau eines Hochseehafens und die Kettenexplosion von letztendlich 280 Kilotonnen vor. Es sollte versucht werden zivile Anwendungen für Nuklearexplosionen zu finden. 1962 gab es massive Proteste der meist indigenen Bevölkerung. Die Versuchsreihe wurde gestoppt

Von 1958 an drängte die bundesdeutsche Regierung bei den Alliierten auf Genehmigung nuklearenergiegetriebener U-Boote einsetzen zu dürfen.. Das Anliegen blieb verwehrt. Auf DDR-Gebiet wurden erstmalig 1958/59 kurzzeitig Nuklearraketen stationiert.

Den Menschen die Augen zu öffnen, war das Anliegen des Malers Johannes Wagner's. Er hatte sich mit dem Zeitgeschehen auseinandergesetzt und als Bild künstlerisch verarbeitet.

Ein Bild heute so aktueller denn je. (W.S.-F. 2026)