Eberhard Lenk „Die Wende und die Kunst im „Elefantenklo“
Nicht nur die Thüringer bezeichnen das Panorama Museum auf dem Schlachtberg in Bad Frankenhausen respektlos, aber liebevoll als „Elefantenklo“. Der riesige, fensterlose Rundbau erhielt seinen skurrilen Spitznamen, weil er als Fremdkörper weit sichtbar in der Landschaft prangt.
Das Innere des Panoramas beherbergt ein riesiges, 123 Meter langes und 14 Meter hohes Gemälde. Die Leinwand, die aus einer Weberei der Sowjetunion stammt, hat ein Gewicht von über einer Tonne. Die Grundierung wurde mit geheimen Rezepturen der Ikonenmalerei durchgeführt. Auch Pinsel und Ölfarben kamen aus der SU. Prof. Werner Tübke arbeitete über 11 Jahre mit anderen Künstlern daran. Einer dieser Künstler war der Vogtländer Eberhard Lenk. Er hat Tübke über 5 Jahre geholfen und als Tübke eine Sehnenabriss an der rechten Hand erlitt malte Lenk mehrere Monate allein weiter. Die letzten zwei Jahre arbeitete Lenk allein vor dem riesigen Gemälde. Tübke signierte am 16. Oktober 1987 das Motiv des Lebensbrunnens. Als der Bau und das riesige Gemälde schließlich fertig waren, plante der Staat, bis zur Eröffnung noch weitere zwei Jahre zu warten. Im Jahr 1989, dem 500. Jahrestag des vermuteten Geburtsjahres von Thomas Müntzer (1489), plante die DDR umfangreiche Feiern, um den revolutionären Theologen zu vereinnahmen. Am 14. September 1989 wurde das Bauernkriegspanorama von Frankenhausen eröffnet, was als Höhepunkt dafür dienen sollte. Aber wie bekannt ist, bestimmte die Geschichte andere Prioritäten für den sterbenden Staat. Beim Festakt am 14. September 1989 war die höchste Staatsführung nicht anwesend, da sie bereits mit ihren eigenen Problemen beschäftigt war: Tausende von verzweifelten DDR-Bürgern umringten die Prager Botschaft der Bundesrepublik und suchten den Weg in den Westen und am 9. November 1989 um 18.53 Uhr fiel die Mauer.
„Malen ist für mich manchmal wie Schachspielen – je mehr Züge man im Voraus planen kann, umso sicherer kommt man an das Ziel. Malen ist Erfindung, immer wieder Spannung, immer wieder Erregung.“
Eberhard Lenk, 1989
Eberhard Lenk wurde 1951 in Zwickau geboren und wuchs im Vogtland auf. Nach
Schulausbildung und Abitur folgte Im Jahre 1969 der Lehrabschluss als Gebrauchswerber. Sein Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig von 1972 bis 1977 bei den Professoren V.
Stelzmann und H. Wagner schloss er mit dem Diplom ab. Nachdem er seit 1977 vorwiegend als Grafiker für Film und Fernsehen tätig war, arbeitete er seit 1982 am Panoramabild „Frühbürgerliche
Revolution in Deutschland“ von Prof. Werner Tübke in Bad Frankenhausen mit. Diese anspruchsvolle künstlerische aber auch körperliche Arbeit übte er als einziger Mitmaler bis zur Vollendung 1987
aus. Im Anschluss übernahm er einen Auftrag für Wand- und Deckenmalerei am Postmuseum Berlin und für das Neue Museum Berlin. 1988 erhielt Eberhard Lenk den Kunstpreis der DDR. In den Jahren 1992
bis 1993 folgten Bühnenmalereien zum „Freischütz“ an der Bonner Oper. Die folgenden Jahre bis 2003 waren überwiegend ausgefüllt durch einen eigenen Galeriebetrieb an den Hackeschen Höfen sowie
Restaurierungsarbeiten in Berlin.
Heute lebt und arbeitet er als freier Maler bei Berlin. Seine Bilder, Zeichnungen und Lithographien fertigt er hauptsächlich für private Sammler und Kunstliebhaber aber auch für Unternehmen und öffentliche Institutionen an.
Quellen: Mit freundlicher Unterstützung des Künstlers Eberhard Lenk https://eberhard-lenk.com/?page_id=135 /
https://vogtpost.de/bauernkriegspanorama/12/04/2023/ und https://eberhard-lenk.com/?page_id=135