Cläre Müller geb. Seidel (1899-1985)

  • 1899 - am 03. 01. in Eibenstock / Erzg. als Tochter eines Bauern geboren

    1905 -1913 Schulbesuch

    1925 - Heirat mit Otto Müller-Eibenstock

  • 1926 - Geburt des Sohnes Günther (gefallen 1945)

  • 1928-1930 Gestaltung von Bilderbüchern und Spielzeug aus Filz
  • 1942-1946 Puppen aus Filz und Stoffreste für augebombte und umgesiedelte Familien mit Kindern (seit dem "Puppentante)
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    1960 - erste Bildapplikationen

    1961/62 erste Ausstellungsbeteiligung (Wanderausstellung „Angewandte Kunst im Volkskunstschaffen der DDR", die in Altenburg, Karl-Marx-Stadt und Zwickau gezeigt wurde)

  • Ausstellungen im Ausland: Angola, Frankreich, Mexiko, Österreich, Kuba und Italien (Rom)
  • 1973 schwere Krankheit und Operation

    1973 genesend und weiterarbeitend

  • Sommer 1974 erste umfassende Kollektion in Schneeberg
  •  Nach der erwähnten ersten Ausstellungsbeteiligung erfreuten die Applikationen von Cläre Müller in Aue, Bad Elster, Berlin, Dresden, Eisenach, Eisenhüttenstadt, Erfurt, Görlitz, Habana, Karlovy Vary, Karl-Marx-Stadt, Leipzig, Magdeburg, Potsdam, Rodewisch, Rostock, Stralsund, Zittau, Zschorlau und Zwickau.

  • Sie starb 29. Juni 1985 im Alter von 86 Jahren in Eibenstock

  • Das Erscheinen des Textes und der Vita fällt mit ihrer Ausstellung im Stadt- und Bergbaumuseum Freiberg zusammen.

  • Quelle: Herausgeber: Bezirkskabinett für Kulturarbeit Karl-Marx-Stadt Straße der Nationen 2 / Redaktion: Helga Wilfroth / Gestaltung: Gregor Torsten Schade / Fotos: Ralf-Rainer Wasse / Text: Johanne Müller / Helga Wilfroth


Bildnachweis: @SKD/Museum für Sächsische Volkskunst

Wir danken den Staatliche Kunstsammlungen Dresden insbesondere Herrn Karsten Jahnke M.A. / Wissenschaftlicher Mitarbeiter / Konservator / Museum für Sächsische Volkskunst | Köpckestr. 1 | 01097 Dresden

für die freundliche Unterstützung und die Genehmigung zur Veröffentlichung der Bilder !


Cläre Müller (geb.Seidel) stammt aus einfachen Verhältnissen. Sie wurde 1899 als Tochter eines Bauern in Eibenstock/Erzgebirge geboren.

Die Umwelt, in der sie aufwuchs, prägte die für ihr späteres künstlerisches Schaffen wichtigsten Charakteristika; ihre Liebe zur Natur, zu den Tieren, mit denen sie lebte, zu den Pflanzen, ihren Frohsinn, ihre Robustheit und ihr Geschick, mit Stoff und Faden zu gestalten. Hinzu kommt ihre Liebe zu den Kindern, die sich schon früh in der Gestaltung von Stoff- und Kasperpuppen äußert.

1960 entsteht die erste Bildapplikation und 1961/62 beteiligt sie sich an ihrer ersten Ausstellung, der WanderausstellungAngewandte Kunst im Volksschaffen der DDR", die in Altenburg, Karl-Marx-Stadt und Zwickau gezeigt wurde.

Weitere Ausstellungen folgten.

Die weiteste Reise machte wohl ein Hahn, der 1974 zur Tagung der Kulturminister der sozialistischen Länder in Kuba, ausgestellt wurde.

Die von Cläre Müller am häufigsten verwendete Technik ist die Applikation. Die Applikation ist eine im bildnerischen Volksschaffen beliebte und weitverbreitete Technik. Sie bietet mit relativ geringem technischen Aufwand reiche und sehr differenzierte Möglichkeiten des Gestaltens. Durch Aneinanderfügen und Aufnähen unterschiedlicher Materialien auf einen Stoffgrund mit verschiede­nen Zierstichen entsteht ein Bild.

Die verwendeten Materialien haben entscheidenden Einfluss auf die Wirkung. Cläre Müller nimmt für ihre Applikationen derbe Stoffe wie Naturleinen, Filz, Wolle sowie für sie charakteristische Elemente wie Perlen aus Glas und Porzellan, Gold- und Silberfäden, Metallbänder und besonders die schimmernden Pailletten, die in ihrer Heimatstadt Eibenstock industriell verarbeitet werden.

Ihre Themen und Materialien bedingen klare kräftige Farben, wie das Grün des Rasens, das Gelb der Sonne und das Rot des Hahnenkammes.

Klar und heiter wie ihre Farben ist auch ihr Wesen, sind auch ihre Bilder. Ihr Gegenstand ist begrenzt, tritt aber in vielfältigsten Variationen auf.

Da sind vor allem die Kinder, die Tiere und die Pflanzen, zu denen sie starke emotionale Beziehungen hat.

Das für sie typische Motiv ist der Hahn, der in vielerlei Gestaltung in ihren Arbeiten immer wieder auftaucht, sei es im Rechteck stehend, sei es im Rund, sei es in Ruhe oder in Bewegung, der stolze, schöne Hahn wurde für Cläre Müller zum Typ, zum Symbol für Kraft, Frohsinn und Heiterkeit. Seine Haltung, sein buntes Gefieder regte schon seit je die Volkskunstschaffenden zur ornamentalen und farblichen Gestaltung an, so auch Cläre Müller.

Ebenfalls in mehreren Varianten gestaltete sie den radschlagenden Pfau, den Widderkopf mit der geschwungenen Spirale des Horns und das verspielte Kätzchen. Oft sind die Tiere auch Beziehung zu Bäumen, Blumen und Menschen gesetzt. Die Bäume halbieren das Bild symmetrisch und erinnern an den Lebensbaum traditioneller volkskünstlerischer Darstellungen. Um diesen Baum spielt sich das Leben ab, stehen Reh und Ricke, fliegen die Vögel.

Es wird eine Kümmelpflanze zum Baum gestaltet und die zwei Pferde unter ihm lassen das Bild zum „Pferdekümmel" werden. Auf anderen Applikationen spielen Kinder unter den Bäumen.

Im „Tulpenbaum" wird Reales mit Phantastischem verbunden, da spielen Kinder, stehen Tiere, fliegt der Sputnik und im Baum sitzt ein exotischer Vogel. Turbulentes Treiben wird in der Darstellung „Die Kindergärtnerin gibt ein Fest" und „Kinderfasching" gezeigt.

Eine Arbeit fällt etwas aus dem Rahmen der Bildapplikation.

Es ist der Entwurf eines Steppstoffes für die Textilindustrie. Angeregt wurde sie hierzu sicher von ihrem Mann, dem Maler Otto Müller, der u. a. Entwürfe für industrielle Stickereien herstellt. Selten ist in ihren Arbeiten die Einbeziehung von Architektur-elementen. In der gelungenen Gestaltung der „Russischen Kirchen" erkennt man Beziehungen zur russischen Folklore, ihr „Ja' zur Freundschaft zwischen unseren Ländern. Aus all den Arbeiten von Cläre Müller spricht starke Ursprünglichkeit, Heiterkeit, Weisheit, Liebe zum Menschen, eine Bejahung des Lebens und der Umwelt, in der sie lebt. Dieses Verhältnis zur gesellschaftlichen Wirklichkeit ist typisches Kennzeichen des bildnerischen Volksschaffens in unserer Republik.

Text (gekürzt): Johanne Müller / Helga Wilfroth


 

Dieses Bild und der dazu gehörige Text wurde dem Kunstförderverein falkart e.V. geschenkt. Wir danken den Spendern Horst u. Helga Georgi aus Darmstadt für das großzügige Geschenk! (8-2022)

 

 

Cläre Müller und ihre Applikationen
Eibenstock ist die Geburtsstadt und war die Wirkungsstätte der bis ins Ausland bekannten Volkskünstlerin Cläre Müller. Sie kam am 3. Januar 1899 in der Bergstadt als Kind einer Bauernfamilie zur Welt. In bescheidenen Verhältnissen wuchs sie auf. Von 1905 bis 1913 besuchte sie die Volksschule ihrer Geburtsstadt. 1925 verheiratete sie sich mit dem Kunstmaler Otto Müller. Der einzige Sohn, der 1926 aus der Familie hervorging, fiel 1945. Zwischen 1928 und 1930 gestaltete Cläre Müller Bilderbücher und Spielzeug aus Filz und Stoff. Von 1942 bis 1946 stellte sie Puppen aus Filz- und Stoffresten her, um damit Kindern ausgebombter und umgesiedelter Familien eine Freude zu bereiten. Das brachte ihr den Namen „Puppentante" ein. 1960 entstanden ihre ersten Applikationen. Angeregt dazu wurde sie sicher durch ihren Mann, der Entwürfe für die industrielle Stickerei herstellte. Bei der Applikation werden formgerecht geschnittene Stoffteile mit einfachen oder kunstvollen Stichen auf einen an-dersfarbenen Stoffuntergrund aufgetragen, und zwar so, dass sich daraus ein Ornament oder eine bildhafte Darstellung ergibt. Auch andere aus dem textilen Bereich stammende Materialien werden verwendet. Cläre Müller nahm für ihre Applikationen Naturleinen, Filz und Wolle. Jedoch waren für sie charakteristisch Perlen aus Glas und Porzellan, Gold- und Silberfäden und besonders die schimmernden Pailletten, die in ihrer Heimatstadt industriell verarbeitet wurden. Aus der Vielzahl der von ihr gestalteten Motive seien nur genannt: „Kinderfasching", „Tulpenbaum", „Großer Gockel", „Pferdekümmel" oder „Rehbock" und „Ricke". Am liebsten gestaltete sie bunte Hähne. In einer Broschüre über sie und ihre Volkskunst heißt es: „Aus all den Arbeiten von Cläre Müller spricht starke Ursprünglichkeit, Heiterkeit, Weisheit, Liebe zum Menschen, eine Bejahung des Lebens und der Umwelt, in der sie lebt (...)". Die Bildapplikationen von Cläre Müller fanden in Fachkreisen rasch Anerkennung. Ab 1961 wurden sie in vielen Ausstellungen innerhalb der DDR, aber auch im Ausland gezeigt, so in Angola, Frankreich, Mexiko, Österreich, Kuba und Italien (Rom). Die weiteste Reise machte ein Hahn, der 1974 in Kuba ausgestellt wurde. Eine schwere Krankheit zwang sie eine Zeit lang zu pausieren. 1973 genesen, arbeitete sie weiter. Viele ihrer Arbeiten verschenkte Cläre Müller. Inzwischen gehören ihre Applikationen zu den Schätzen der Museen. Cläre Müller, bescheiden wie sie lebte, starb am 29. Juni 1985 in ihrer Geburtsstadt Eibenstock. Durch ihre Puppen und Applikationen hat sie sich selbst ein Denkmal gesetzt.