Siegfried Henze

  • 1933 in Falkenstein geboren
  • 1948 – 1951 Lehre als Musterzeichner
  • Freundschaft und Bekanntschaft mit Walter Thomas und Walther Dietrich
  • 14/15-jährig: erste Malversuche (Walter Thomas war sein 1. Lehrer in Sachen Kunst!)
  • 1953 – 1955 Werft-Bauarbeiter und Fischer (aus gesundheitlichen Gründen), diese Tätigkeit brachte ihm unverzichtbare Erfahrungen, lehrte ihn den Wert der körperlichen Arbeit
  • in dieser Zeit: sehr kreativ, z.B. gemalte Ostseemotive
  • 1959 – 1963 Studium an der Fachschule für Angewandte Kunst in Leipzig („Kontakte sind Horizonterweiterung!“)
  • ab 1963 Designer in der Falgard Falkenstein (reges künstlerisches Schaffen, stete Weiterbildung)
  • 1963 – 1966 Abendstudium „Malerei/Grafik“ bei Johannes Wagner mit dem Abschluss Oberstufe
  • in der Folgezeit: Zirkelleiter für Jugend- und Kindermalzirkel, Beteiligung an Ausstellungen (Arbeiterfestspiele)
  • eigenes kreatives Schaffen – Kreisausstellungen, kulturelle Aktivitäten, Privatschüler/innen zur Hochschulreife gebracht…
  • ab 1989 Wende- und Reisezeit: vielfache Eindrücke und Ausbeute zu künstlerischem Schaffen, es entstanden viele Arbeiten…
  • 2015 Einzelausstellung in der falkart-Galerie im Schloss Falkenstein/Sparkasse Vogtland
  • seit 2017 Ehrenmitglied im Kunstförderverein falkart e.V.

„In meinem Alter steht immer noch das Bemühen „zu lernen“, denn ohne Kreativität wäre unser Leben ärmer. Mein Credo: Ich gestalte das, wie ich die Welt in- und auswendig sehe…“ Siegfried Henze



Gedanken zum Bild „Damoklesschwert"

Öl auf Leinwand 2016 / 90x70 cm

Steht sinnbildlich für stete drohende Gefahr. Hier ist es als “tickende Zeitbombe" exponiert platziert Wird es plötzlich und unerwartet aktiv, herrscht Unheil (unaufhaltsam) in Zeit und Dauer(z.B. Naturkatastrophen, kriegerische Konflikte u.a.).

Bildinhalt: Der Tod zieht durch die Ruine eines Wohnbereiches mit toten und verschütteten Bewohnern. Sichtbar, die totale Instabilität des gesamten Komplexes. Versuch, mit minimalen Gestaltungsmitteln die kompakte Komposition zu gliedem: in klare, radikale Flächen. Farbverteilungen und betonten Kontrasten. Zum Gesamtkolorit habe ich zugängliche Farben gewählt (vieleicht empfindet man den Hauch einer kühl-sterilen Ausstrahlung?).

 



Laudatio (Wolfgang Blechschmidt)

 

Als Siegfried Henze und ich uns das erste mal begegneten, war ich 12 Jahre jung (also vor über einem halben Jahrhundert).

Meine Mutter hatte mein Talent früh entdeckt und gefördert. Siegfried kam zu uns nach Hause und ich bekam meinen ersten privaten Kunstunterricht.

Auf unserem Kachelofen im Wohnzimmer stand immer ein großer, grüner Wasser-krug mit 2 Henkel. Und diese 2 Henkel waren das Problem.

Naturstudium und Stillleben war angesagt und an mehreren Terminen musste ich den Krug mit eben diesen 2 Henkeln zeichnen.

Wie habe ich diesen Krug gehasst, ich wollte doch Alpenlandschaften malen, Tiere und Menschen zeichnen – große Kunst machen. Nein der Krug musste es sein.

Eines Tages war der Krug verschwunden – ich hatte ihn heimlich im Hinterhof unseres Hauses hasserfüllt mit einem Hammer zerschlagen und vergraben.

Die zeichnerischen Probleme und Aufgaben blieben mir allerdings erhalten und wir Beide arbeiteten noch lange intensiv daran. Dafür lieber Siegfried bin ich Dir heute noch sehr dankbar.

Den Krug hat übrigens keiner vermisst – aber ein kleinerer brauner mit nur einem Henkel stand nun noch viele Jahre mit Wasser gefüllt auf unserem Kachelofen. Allerdings musste ich den dann auch zeichnen.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Kunstfreunde,

Ich male nichts, was ich nicht sehe. Paul Cezanne

Erlauben Sie mir 2 Gedanken zum Werk von Siegfried Henze:

Immer wenn ich Bilder von Siegfried Henze sehe, muss ich an Cezanne denken. Dabei haben beide auf dem ersten Blick kaum etwas gemeinsam. Ich meine aber, es ist die Farbe, deren Mischungen und die Malweise. Cezanne vermied, ganz im Gegensatz zu seinen Impressionisten-Kollegen, eine auf den Augenblick bezogene spontane Malerei. Über das Erlebnis hinaus suchen Beide, Siegfried heute, und Cezanne (besonders um 1880 –1895) suchen Beide nach strengen Maßstäben, um mit der Farbe das Bildganze zu strukturieren und gleichzeitig die Form im Detail zu bilden.

Cezanne schreibt euphorisch in einem seiner Briefe: „Die farbigen Flächen, immer wieder Flächen! Der farbige Ort, wo die Seele der Flächen bebt, die prismatische Wärme, die Begegnung der Flächen im Sonnenlicht. Ich entwerfe meine Flächen mit meinen Farbabstufungen auf der Palette, verstehen Sie mich! […] Die Flächen müssen deutlich in Erscheinung treten. Deutlich […] aber sie müssen richtig verteilt sein, ineinander übergehen. Alles muss zusammenspielen und doch wieder Kontraste bilden!“ Zitatende

Wir sehen in dieser Ausstellung genau diese Auseinandersetzung mit den Flächen – den ständigen Kampf um Komposition der Flächen und der Farben ! Mit der Kraft der Farbe und festen Ordnungssystemen begegnet Siegfried Henze dem Augenblicksverständnis und konstruiert durch die Farbwahl und die umsichtige Setzung der Pinselstriche die Komposition, Bild- und Gegenstandsformen.

Wer schon einmal versucht hat mit Farbe eine gleichmäßige monochrome Fläche zu malen, weiß, wie schwer das ist, wie viele Schichten nötig sind, um den Kampf gegen die weiße Fläche „Leinwand“ zu gewinnen.

Beide (Cezanne und Siegfried Henze) sind sich da sehr ähnlich.

Bei Siegfried Henze entsteht das Bild stets erst im Kopf. Der Auslöser ist dabei immer die Natur, die Realität. Nichts wird dem Zufall überlassen. Wie ein Komponist komponiert er das Geschehen auf seinen Bildern.

Komposition!

Hanns-Josef Ortheil einer der bedeutendsten deutschen Autoren der Gegenwart, beschreibt in seinem Buch „Die Erfindung des Lebens“ Komposition an Hand von Musik - ich zitiere:

Das Programm aber war darauf angelegt die jeweiligen (Musik)Stücke zunächst nicht zu spielen, sondern sie erst zu verstehen. Um sie zu verstehen, zerlegt man sie in kleine Sinn- und Musikeinheiten und schaute sich an, wie diese Einheiten miteinander verbunden waren. Man übt eine Komposition niemals von vorn nach hinten, sagte Fornemann und ließ mich die Einheiten einzeln und in völlig unterschiedlicher Reihenfolge üben. Eine Komposition wurde so zu einem Mosaik, dessen Bausteine man aus dem Gesamtgefüge herauslöste, um sie dann wie Spielmaterial zu behandeln.(...) und jetzt kommt's...

Damit solche Übungen nicht zu naiven Spielereien führten, musste ich möglichst rasch die Grundlagen von Harmonielehre und Kontrapunkt beherrschen. Zitatende.

Komposition geschieht also nicht nur auf der Malfläche, sondern bereits weit vor der eigentlichen Arbeit am Bild. Dazu gehört die gründliche Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Thema - Siegfried Henze betreibt Recherche wie ein Journalist. Ihm geht es darum, das von ihm gewählte Thema exakt auf den Punkt künstlerisch umzusetzen. Jedes Detail ist genau durchdacht und bewusst eingesetzt. Möglichkeiten der Umsetzung gibt es dabei unendlich viele. Die Umsetzung einer Komposition, die sich der Künstler wählt, ist rein subjektiv und deshalb einmalig.

100 Schüler im Atelier malen das gleiche Stillleben, die gleiche Vase, den gleichen Apfel. Aber jedes Bild wird anders – völlig anders. Es entstehen 100 verschiedene Bilder und Bildsprachen.

Das ist das großartige an der Kunst und deshalb ist sie und bleibt sie unerschöpflich und ist nicht klein zu kriegen. Das hat also weniger mit dem unterschiedlichem Können der Schüler zu tun, sondern einzig und allein mit dem Individuum Schüler, dem Homo ludens, (dem spielenden Menschen), der Mensch, der seine Fähigkeiten vor allem über das Spiel entwickelt. Er entdeckt im Spiel seine individuellen Eigenschaften und wird über die dabei gemachten Erfahrungen zu der in ihm angelegten Persönlichkeit. Spielen wird dabei der Handlungsfreiheit gleichgesetzt und setzt eigenes Denken voraus. Der Mensch braucht das Spiel als elementare Form der Sinn-Findung.

Sinnvoll – Sinnlos. Voll der Sinne. Je mehr ein Mensch spielt (ich spreche nicht nur vom Kind) um so sinnvoller sein Leben - aber auch um so kreativer und erfolgreicher sein Leben. Nicht nur Kindergärten sondern auch Schulen, Arbeitsämter, Altenheime und Auffanglager für Kriegsflüchtlinge sollten Spielplätze sein bzw. welche haben.

Siegfried Henze greift das Thema Medienentfremdung in seinem jüngsten Bild hier in der Ausstellung auf – gleich hier auf der Staffelei.

Ich bin beim zweiten und letzter Gedanke:

Die Kreativität:

alle reden davon - aber keiner weiß so richtig, was das ist.

Sie können ja mal googeln was Kreativität ist – Sie werden nicht schlau daraus.

Kreativität, ein kostbares Gut, das unserem Zeitalter so vielversprechend erscheint wie kaum eine andere Gabe des Menschen. Durch Kreativität soll das unscheinbare Alltagsleben vieler Menschen in den fortgeschrittenen Zivilisationen origineller, genussreicher, vielfältiger und wärmer werden. Wenn das stimmt, ist Kreativität der Gegenpol zur Medienentfremdung.

Künstler waren schon immer der Zeigefinger der Gesellschaft – nicht der Stinkefinger!

Siegfried Henze greift Themen und Probleme der Gesellschaft auf, beschäftigt sich intensiv damit. Seine Bilder sind Botschaften, Botschaften an die Zeit - an uns.

Sein Motto: Arbeit formt den Menschen – aber erst die Kunst ( und ich darf hinzufügen die Kreativität ) erst die Kunst macht ihn zum Menschen.

Dieses Motto steht für sein Werk und soll uns zum Innehalten und Nachdenken anregen - aber auch Mut machen. Mut, die bestehenden Probleme unserer Zeit zu bewältigen.

Unsere Zeit braucht Zeigefinger aber auch die helfende Hand.

Lieber Siegfried, dass wir, und nicht nur die Falkensteiner, Dich und Deine Kunst brauchen, zeigt die große Besucherzahl heute hier zu Deiner Vernissage. Wir wünschen Dir mit dieser Ausstellung viel Erfolg, besonders Gesundheit und Kraft für noch viele spannende Bilder.

Siegfried Henze gibt jetzt im Anschluss Einblicke in seine Denk- und Arbeitsweisen an Hand eines seiner zentralen Bilder. Nutzen Sie die Gelegenheit mit unserem Falkensteiner Künstler-Urgestein ins Gespräch zu kommen.

Uns allen, Ihnen den Freunden, Gästen, Helfern und Sponsoren der falkart-Initiative und der Kunst möchte ich danken und endlich zum Schluss noch ein Wort meines Vornamensvetters mit auf dem Weg geben. Es passt sehr gut zur Ausstellung und zur Kreativität:

Was immer Du tun kannst

oder dir vorstellen kannst, es zu tun,

beginne es.

Kühnheit trägt Genie, Kraft und Magie in sich. Johann Wolfgang von Goethe

Die Ausstellung ist eröffnet!