Vom Dachboden in den Blick der Öffentlichkeit

Foto: Die ersten 400 Bilder aus dem Rathaus-Fundus sind am Mittwoch im Atelier Blechschmidt in Falkenstein gerahmt worden. FOTO: SILKE KELLER-THOSS

Bilder Falkensteiner Künstler wären fast in Vergessenheit geraten. Nun finden Sie sogar den Weg ins Internet.

Hunderte Bilder aus dem Nachlass der Falkensteiner Künstler Walter Thomas und Walter Dietrich sind im Projekt falkart vor dem Verfall gerettet worden. Jahrelang lagen sie in einem Fundus der Stadt auf dem Dachboden des Rathauses. Sie in jedem Fall in die Öffentlichkeit zu bringen, war von Anfang an Ziel jener Falkensteiner, die sich in dem Projekt engagieren. Zum Straßenfest in Falkenstein am 14. Juni soll dazu ein erster Schritt getan werden. Die Webseite "www.falkart.de" geht online. "Wir erhoffen uns davon, das sich Unternehmen, Einrichtungen oder Privatleute für die Bilder interessieren und sie als Leihgabe nehmen, um sie öffentlich auszustellen", so Rainer Döhling, der sich mit anderen Falkensteinern der Kunstwerke angenommen hat.

Eine Auswahl der Bilder wird Rainer Döhling zum Straßenfest am Stand vor seinem Geschäft in der Schlossstraße ausstellen. Für insgesamt rund 400 Kunstwerke standen zunächst 80 Rahmen zur Verfügung. Bei einigen kann man sehen, dass der Zahn der Zeit schon an ihnen nagte beziehungsweise der ständige Temperaturwechsel während der Lagerung auf dem Dachboden für Schäden sorgte. "Der erstze Eindruck war schlecht", sagte Rainer Döhling. In Absprache mit den am Projekt beteiligten Künstlern habe man sich aber entschieden, die Bilder so zu belassen. "Ihr Zustand ist auch ein Zeitzeugnis", so Döhling.

Wolfgang Blechschmidt ist einer der Künstler, die sich am Projekt beteiligen. In seinem Atelier in der Spinngasse wurden die Kunstwerke gesichtet und gerahmt. Als Helfer dieses Mal dabei war auch Joachim Reck. Der heute über 80-Jährige hat bis 1957 in der Falgard gearbeitet, bevor er iin den Westen ging, wo er ebenfalls viele Jahre in der Textilindustrie als Designer tätig war. Heute lebt er zeitweise wieder in Falkenstein. "Wenn es darum geht, den Fundus aufzunehmen, zu ordnen und zu bestimmen, bin ich gern bereit", sagte er.

Das Projekt war 2011 auf den Weg gekommen, weil der Falkensteiner Maler Siegfried Henze den befreundeten Geschäftsinhaber Rainer Döhling darauf aufmerksam machte, dass es in der Stadt Nachlässe von bereits verstorbenen Falkensteiner Künstlern geben muss. Fündig wurde man im Rathaus-Turm. Heute sei man froh, dass sich Falkensteiner Künstler gefunden haben, die sich darum kümmern, so Sören Voigt von der Stadtverwaltung. "Es gab zunächst keine Ideen, wie man damit umgeht." Finanziell unterstützt hat die Stadt das Projekt mit 1.200 Euro.

Förderung regionaler Kunst

Das Projekt falkart startete im September 2013. Über das Förderprogramm Demografie der Sächsischen Aufbaubank gab es eine einmalige Zahlung von 8.500 Euro. Im Projekt engagieren sich kunstinteressierte Bürger, das Freizeitzentrum sowie der Heimat- und Museumsverein. Es will Erinnerungen wach halten und regionale Kunst fördern.

Mit dem Namen falkart soll eine Verbindung hergestellt werden zur Geschichte der Textilindustrie in der Stadt (Falkard).

Der Artikel wurde verfasst von Heike Mann und erschien am 06.06.2014 in der Freie Presse Auerbach


Kunstprojekt knüpft Netzwerk

Foto: Thomas Mücke dreht ein Video darüber, wie der Falkensteiner Künstler Siegfried Henze Jugendlichen aus der Stadt Bilder der beiden Maler Walter Thomas und Walter Dietrich erklärt. FOTO: JOACHIM THOSS

Mit Kunst will eine Gruppe in Falkenstein Jugendliche begeistern und einen Beitrag leisten, damit sie in der Region bleiben.

Siegfried Henze und mehrere Jugendliche aus Falkenstein standen jetzt im Mittelpunkt von Videoaufzeichnungen im Freizeitzentrum der Stadt. „Henze hat über Bilder aus dem Nachlass der beiden Kunstmaler Walter Thomas und Walter Dietrich gesprochen", sagt Rainer Döhling. Das Gespräch hielt der Filmemacher Thomas Mücke fest.

Die Aktion gehört zum Projekt falkart. Der Name erinnert an den ehemaligen Textilbetrieb Falgard. Er setzt sich aus den Anfangsbuchstaben des Ortsnamens und dem englischen Art für Kunst zusammen. Damit will Kunstfreund Döhling mit weiteren Künstlern und der Interessengemeinschaft (IG) Blauer Punkt junge Menschen aus der Region an Kunst heranführen und ihre Verbindung zur Heimat stärken.

Der 8o-jährige Henze war laut Döhling ein guter Freund der Künstler. Deshalb konnte er mit den Jugendlichen nicht nur über Bildinhalte sprechen, sondern auch Hintergründe beleuchten. Die Sequenz vom Treffen wird mit Filmen über die Besuche bei anderen Künstlern und Filmen über die Falgard zu einem Streifen zusammengefasst. Die Werke von Thomas und Dietrich kamen ins Blickfeld, weil die Stadt ihren Nachlass besitzt.

Neben der Videoarbeit entsteht derzeit eine falkart-Webseite. Einen großen Teil der Zuarbeit liefern Schüler der Trützschler-Oberschule Falkenstein. Geplant ist, dass sie spätestens zur Eröffnung des Festivals Mitte Europa ans Netz geht. Die Festveranstaltung findet dieses Jahr am 15. Juni in der Stadt statt. Bis dahin entsteht auch ein Flyer, der über das Projekt informiert.

Die Schüler sowie Kinder und Jugendlichen aus dem Freizeitzentrum befassen sich mit den Künstlern seit etwa vier Monaten. Finanziert wird das Projekt durch den Eigenanteil der IG Blauer Punkt in Höhe von 1.000 Euro sowie Fördermittel der Sächsischen Aufbaubank in Höhe von 8.500 Euro.

Mit dem Festival endet die erste Phase von falkart. Danach ist geplant, dass sich das Projekt zu einem Netzwerk weitet. Dazu möchte Döhling beispielsweise Paten suchen, die die zum Teil stark beschädigten Werke von Walter Dietrich oder Walter Thomas restaurieren oder sie in ihren Firmen präsentieren. Dadurch entstehen für die beteiligten Jugendlichen Kontakte zu den Unternehmen der Region, bei denen sie lernen können, hofft Rainer Döhling.

Der Artikel wurde verfasst von Lutz Hergert und erschien am 10.05.2014 in der Freie Presse Auerbach


„Stadtchecker" sind auf Erkundungstour

Foto: Susann Berger (rechts) hat die Leitung des Falkensteiner Freizeitzentrums übernommen. FOTO: SILKE KELLER-THOSS

Das Falkensteiner Freizeitzentrum Freizi hat eine neue Leiterin. Susann Berger setzt auf die Heimatverbundenheit der jungen Besucher.

Neun Monate hat Susann Berger im Freizi mitgearbeitet. Jetzt ist sie an die Spitze aufgerückt und setzt fort, was ihre Vorgängerin auf den Weg gebracht hat. Seit seiner Gründung vor 23 Jahren leitete Barbara Kunad die Freizeiteinrichtung im Falkensteiner Rathaus-Kellergewölbe. Sie wechselt ins Sozialamt der Stadt.

20 Stammgäste hat das Freizi. „Täglich kommen im Schnitt aber 40 Kinder und Jugendliche her", erzählt die Neue am Ruder. Erfahrung sammelte. Susann Berger bei der Arbeiterwohlfahrt in Auerbach: Ab 2010 betreute sie schutzbedürftige Heranwachsende in der Treuener Inobhutnahme. Stand also früher oft Krisenintervention im Mittelpunkt, arbeitet sie jetzt am Heimatgefühl junger Menschen.

Zwei Projekte hat die 29-jährige Diplom-Sozialpädagogin im aktuellen Jugendplan als Schwerpunkte deklariert. Sie sind dazu angedacht, die Bindung der kleinen und größeren Freizi-Besucher an ihre Stadt zu intensivieren. „falkart" startete im Oktober vergangenen Jahres und wird Mitte 2014 auslaufen. „Hier geht es darum, dass Ältere erzählen, wie es früher war", erklärt Susann Berger.

„Auf diese Weise sollen die Jugendlichen die Stadtentwicklung nachvollziehen. Sie bringen andererseits zum Ausdruck, was sie selbst möchten und an ihrer Heimat toll finden, was bleiben kann und was verändert werden müsste."

Das in Zusammenarbeit mit der Stadt, dem Gewerbeverein und der Trützschler-Oberschule initiierte Projekt richtet sich an 14- bis 18-Jährige. Die „Stadtspürnasen" als zweites Angebot mit Heimatbezug werden weiterlaufen, jedoch unter einem anderen Namen. Seit 2014 ist die jüngere Freizi-Klientel als „Stadtchecker" unterwegs. Der Grundgedanke bleibt. „Die Kinder sollen die Stadt entdecken und einzelne Einrichtungen kennen lernen", umreißt Susann Berger das Konzept. Und sie machen sich bei altersgerechten Arbeitseinsätzen nützlich. Der erste hat für die Sechs-bis Elfjährigen bereits begonnen: Sie dürfen die Pfleger im Tierpark unterstützen.

Susann Berger hat keinen Zweifel daran, dass sie auf Vorhandenem aufbauen kann. Der Begriff Heimat habe bei den Kindern und Jugendlichen eine Bedeutung, stellt die Falkensteinerin während ihrer Arbeit immer wieder fest. „Ich bin der Meinung, junge Leute fühlen sich hier wohl." » www.freizi-falkenstein.de

Der Artikel wurde verfasst von Sylvia Dienel und erschien am 27.03.2014 in der Freie Presse Auerbach


Projekt „falkart" kommt gut voran, steht aber erst am Anfang der Umsetzung zahlreicher Ideen

13.01.2014 08:04 von Rainer Döhling (Kommentare: 0)

Was steckt eigentlich hinter diesem Projekt falkart?

Die Idee zum Label hatte der Falkensteiner Maler und Grafiker Wolfgang Blechschmidt. Es gibt eine unmittelbare Anlehnung an die Designer-Traditionen des früheren Textilbetriebes Falgard, die eng mit den Falkensteiner Künstlern verbunden ist. Namen wie Siegfried Henze, Regina Blechschmidt oder Lothar Stauch sind ein Stück Geschichte des Falgard Ateliers.

Die Künstler schöpfen aus einer reichen Vergangenheit und setzen damit auf die Zukunft.

Leben wir doch in einer Zeit, in der uns so viel verloren geht, so auch mit allen Sinnen zu arbeiten. Die Sinne werden nicht gefordert bzw. sind überfordert und die schönen Dinge bleiben leider zu oft auf der Strecke. Wir verlieren hier interessante Werte, die durchaus auch für unsere Zukunft von Interesse sind. So ist es auch geschehen, dass beispielsweise Nachlässe Falkensteiner Künstler in Vergessenheit geraten waren.

Gemeinsam mit der Stadtverwaltung, dem Museumsverein und jungen Leuten aus dem Falkensteiner Freizeitzentrum wurde diese Kunst gerettet und konnte so vor einem weiteren Verfall bewahrt werden. Aber wie nun weiter mit der Kunst?

Diese Kunstwerke spiegeln Traditionen wieder und geben uns Identitäten, diese müssen wir unbedingt erhalten und an die junge Generation weiter geben. Über einen Fördermittelantrag wurde der Versuch gestartet Geld für ein Projekt um die Kunst und deren Zukunft zu erhalten.

Im September 2013 wurden rund 8.500 Euro durch die SAB bereitgestellt. Die Gelder kommen aus dem Topf Demografie. Die Falkensteiner Interessengemeinschaft Blauer Punkt hat sich als Träger des Projektes bereit erklärt und 1.000 Euro Eigenmittel eingebracht. Partner für dieses Projekt sind das Falkensteiner Freizeitzentrum und die Adolf-Trützschler-Oberschule. So wurden schon einige Aktionen gemeinsam organisiert.

Zum Tag der offenen Tür der Trützschleroberschule, kann man sich im dort eingerichteten Künstlerkaffe über das Projekt informieren. Zurzeit wird an einer Webseite gearbeitet, um die Bilder der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Diese Webseite soll letztendlich auch dazu dienen, die Kunstwerke in eine große Galerie, die Betriebe und Einrichtung unserer Stadt, zu bringen.

Parallel erforschen die Kinder im Freizeitzentrum über ein Videoprojekt die Arbeit der Künstler und die Idee der Kunstwerke. Im Resultat dieser Arbeit sollen eigene Idee und Gedanken auch zur Entwicklung im näheren Umfeld der Jugendlichen entstehen. Der Weg hierbei ist sozusagen das Ziel. Auch wird der Versuch gestartet die Unternehmen der Region enger mit den Jugend­lichen zu vernetzen.

Der Artikel ist im Falkensteiner Stadtanzeiger erschienen


Schülerarbeiten bringen Farbe ins Spiel

Foto: Kunstlehrerin Kessy Penzel (hinten links) mit Schülern der Klasse 7a, die mit Mandalas zur Gestaltung des Schulfoyers beitragen. FOTO: SILKE KELLER-THOSS

Jeden Tag gehen sie in diesem Haus ein und aus. Deshalb sollten sie es so gestalten, dass das Betreten Freude macht

Nach der Sanierung des Eingangsbereichs der Trützschler-Oberschule in Falkenstein waren die Schüler aller Klassenstufen dazu aufgerufen, sich Gedanken um dessen weitere Gestaltung zu machen. Sie wollten es bunt. Die Fünft- bis Achtklässler haben zu den von Kunstlehrerin Kessy Penzel vorgegebenen Themen auf jeweils 20 mal 20 Zentimeter großen Leinwandrahmen gemalt. „Mein Lieblingstier" hieß es für die Schüler der 5. Klassen, die der 6. Klassen malten einen Fantasiebaum, in den 7. Klassen entstanden freie Mandalas, und schließlich die Werke des US-Künstlers Keith Haring lieferten Anregungen für die 8. Klassen. Die außergewöhnliche Galerie soll auf sechs Tafeln an die Wände im Eingangsbereich der Schule aufgebracht werden. Insgesamt 76 der 20 mal 20 Zentimeter großen kleineren Bilder passen jeweils auf solch eine Tafel.

Kurs mit Restauratorin

Abgestimmt wurde die farbenfrohe Gestaltung mit den Belangen des Denkmalschutzes. Dass das Foyer in den Farbtönen Grün und Braun, wie es zur Gründung der Schule vor über wo Jahren ausgesehen hat, gestrichen worden war, stieß nicht gerade auf die Begeisterung der Schüler. Die wollten Farbe ins Spiel bringen und äußerten das im Kurs mit Restauratorin Sandra Finsterbusch. Der Kurs war auch eine Entdeckungsreise in die Baugeschichte des 1900 eingeweihten Schulhauses. Allerdings dürfen nach Vorgaben des Denkmalschutzes Bilder nicht direkt auf die Wände aufgebracht werden. Deshalb entschied man sich für die Variante mit Tafeln. Sie hat auch noch einen weiteren Vorteil. „Wenn die Schüler, die sich jetzt mit einem Bild beteiligt haben, nach der 10. Klasse die Schule verlassen haben, bekommen sie ihr Bild mit. Die nachrückenden Fünftklässler können die entstandenen Lücken dann mit ihren eigenen Kunstwerken füllen", erklärt Kessy Penzel.

Fertig zum Tag der offenen Tür

Noch vor dem Tag der offenen Tür an der Falkensteiner Oberschule am 25. Januar sollen alle Tafeln fertig gestaltet und im Eingangsbereich angebracht werden. Zum Tag der offenen Tür werden Künstler vertreten sein, mit denen die Schule im Projekt falkart zusammenarbeitet. „Wir hoffen, dass sich an diesem Tag Kinder finden, die gemeinsam mit den Künstlern noch leere Tafeln bemalen", sagt die Kunstlehrerin. Die fast komplette Galerie kann man sich dann schon mal anschauen.

Der Artikel wurde verfasst von Heike Mann und erschien am 10.01.2014 in der Freie Presse Auerbach