Otto Müller-Eibenstock

Vita

  • 15.08.1898 geboren in Falkenstein / OT Dorfstadt
  • 1913-1916 Lehre als Textilzeichner an der Zweigstelle Falkenstein der Königlichen Kunstschule für Textilindustrie Plauen
  • 1917-1920 Assistent an der Königlichen Kunstschule für Textilindustrie Plauen bei Prof. Albert Forkel. Zwischenzeitlich Einberufung zum Militär (erster Weltkrieg)
  • 1920 Gestalter in Eibenstock / Filiale der Textilfirma Bartels, Dietrich & Co.
  • 1922-1924 Erste konstruktivistische Formgebungen
  • 1925 Heirat mit Cläre Seidel, ein Jahr später Geburt des Sohns Günther
  • 1926-1932 Ausstellungen mit der Vereinigung "Die Abstrakten"
  • 1932 eigenes Büro für Textilentwurf in Eibenstock
  • 1939-1940 und 1943-1945 Soldat im zweiten Weltkrieg
  • 1946 Rückkehr aus englischer Kriegsgefangenschaft. Sein Sohn Günther galt seit dem zweiten Weltkrieg als vermisst
  • 1946 Mitglied im Kulturbund zur Demokratischen Erneuerung Deutschlands
  • 1952 Mitglied im Verband Bildender Künstler
  • 1963 Umschreibung in die Sektion Formgestaltung aufgrund der Realismus-Formalismus-Debatte
  • 1962-1967 Lehrer für Stickereikunde an der Fachhochschule für angewandte Kunst Schneeberg
  • danach wieder freiberuflich als Gestalter tätig
  • 1985 Tod seiner Ehefrau Cläre Müller
  • 07.01.1986 sirbt Otto Müller-Eibenstock in einem Zwickauer Krankenhaus

Schaffen:

  • seit der Mitte der 1970er wird sein konstruktives Frühwerk wieder öffentlich gemacht

Alle hier gezeigten Werke sind Leihgaben aus Privatbesitz des Künstlers Karl Herrmann und können nicht ausgeliehen werden. Wir danken Herrn Herrmann für die großzügige Unterstützung bei der Aufarbeitung des künstlerischen Vermächtnisses von Otto Müller-Eibenstock.

"...Ich bin gar nicht einer, an dem das Zeitgeschehen spurlos vorübergegangen ist... Ich bin schwer verwun­det nach Hause gekommen, habe viele Freunde ...ver­loren und mein einziges Kind...
In welches Verhältnis soll nun die Kunst dazu gebracht werden. Da gibt es nur zwei Möglichkeiten. Entweder man entscheidet sich für "L'art pour Part", oder dafür, die Kunst auf eine breitere Basis zu bringen ... Mir ist klar, dass man nicht, wie allgemein verlangt wird, den Menschen ... für die Kunst interessieren kann, in­dem man ihm immer wieder sein soziales Elend, die Trümmer und all das Häßliche, Bedrückende, durch "Kunst" vor Augen führt. Das kann man als abschrek-kendes Beispiel gegen den Krieg tun; und es werden sich bestimmt große Künstler finden, die gute Plakate schaffen. ...
Meiner Überzeugung nach hat... der Künstler sogar die Pflicht, in Ausstellungen dem Menschen Bilder zu zeigen, durch die er mit neuem Lebensmut nach Hau­se geht. Deshalb braucht ein Künstler noch lange nicht sein Werk dem Niveau des Volksgeschmackes anzu­passen, im Gegenteil, er kann, wenn er stark genug ist, dem durch sein Elend abgestumpften Menschen den Weg zur Kunst zeigen und ihn wieder für etwas Ideales interessieren. ... dann ist das, was man an meiner Arbeit vielleicht als "harmlos" bezeichnet, ge­rade das Notwendigste, was den heutigen Menschen durch die Kunst vermittelt werden kann." (Otto Müller-Eibenstock 1948 an William Wauer)
 
Otto Müller-Eibenstock
Sein Weg von der textilen zur abstrakten Kunst
 
Es gibt Erlebnisse, die zu Geschichten werden, und solche erzählt man dann immer wieder. Für den 12jährigen Otto Müller war es eine Auseinander­setzung mit dem Vater.
Er habe dem Vater gesagt, dass er Künstler werden wolle und dieser habe geantwortet, er wolle keinen Hungerkünstler haben. Von da an habe er zwar noch zu Hause gewohnt, aber, was seinen Werde­gang betraf, über sich selbst bestimmt. Er habe sich, zumal er zeitig gewachsen war, mit 13 Jahren vom Vater den Konfirmationsanzug geben lassen, ummit älteren Freunden auch mal in Falkenstein ins Kaffee gehen zu können. Die Geschichte zeigt einesteils das Selbstbewusst­sein des noch jungen Otto Müller, andererseits aber auch die Gutmütigkeit der Eltern.
Wahrscheinlich hat sich Otto Müller unter einem Künstler nichts anderes vorstellen können, als einen Entwerfer der vogtländischen Stickereiindustrie. Und weil sein Schwager schon in einem der Falkensteiner Ateliers als Zeichner arbeitete, kann der Widerstand des Vaters am Ende gar nicht so groß gewesen sein. Nach Abschluss der achtklassigen "einfachen Volksschule" in Dorfstadt bei Falkenstein wurde er in die "Zweigabteilung der Königlichen Kunstschule für Textilindustrie Plauen zu Falkenstein", die einer Berufsschule entsprach, aufgenommen. In einem Tagebuch zählt er seine Arbeiten in Atelier und Schule immer wieder auf. Er berichtet außerdem, dass er "Werke in der Vorbil­dersammlung abgeliefert und neue abgeholt" habe. In der "Stickereifabrik Voigt und Graichen", hat er als Lehrling nach Einberufung des ersten Zeichners zum Kriegsdienst dessen Stellung ausgefüllt.
In seinem Entlassungszeugnis, Ostern 1916, wird er dementsprechend als "außerordentlich fleißig und begabt" bezeichnet. Danach begann er sein Studium an der "Königlichen Kunstschule für Textilindustrie zu Plauen" und wurde dort mit einer "bronzenen Preismünze" im Herbst 1917 entlassen. Von da an arbeitete er mit der Unterbrechung seiner siebenmonatigen Soldatenzeit als Assistent im Atelier des Direktors, Prof. Albert Forkel. Dieser hatte, sicherlich beeinflusst von den Grund­sätzen des Werkbundes (1907 gegründet) vielleicht auch von den Ideen des Bauhauses (1919 ge­gründet) das Konzept eines "Forschungsinstituts für textile Kunst und Kulturentwicklung." 1)
Otto Müller untersuchte nach Anweisungen von Prof. Forkel, was auf dem Blatt geschieht, wenn es nach vorgegebenen Regeln gefüllt wird. -"Beobachten Sie, was dabei herauskommt", habe Prof. Forkel zu ihm gesagt. - Die von ihm erarbeiteten Blätter sollten als Illustrationen zu einem Lehrbuch dienen, das Prof. Forkel mit ihm herausgeben wollte. - So ist erklärbar, dass Otto Müller, auch nachdem er 1919 in Eibenstock die Stelle eines Entwerfers angetreten hatte, noch bis Prof. Forkels unverhofftem Tod 1921 mit ihm zusammenarbeitete.
(Texte: Karl Herrmann)