Bruno Paul

 am 17. Juli 1903 in Falkenstein geboren
- Zweitältester von acht Geschwistern
- Vater Otto Paul Gardinenzeichner und Fotograf
- Bruno Paul und einige Brüder betrieben später das Fotogewerbe weiter-
bekannt: „Foto-Paul“ in Falkenstein
- 1910 Bruno Paul besuchte die Trützschler-Stiftungsschule in Falkenstein
- anschließend Fotografenlehre im Betrieb des Vaters
- gleichzeitig Besuch der Kunstschule Plauen (Außenstelle Falkenstein)
- experimentiert mit verschiedensten Techniken der Fotografie, Film- und Drucktechniken
- Dia-Vorträge mit Friedrich Barthel
- beschäftigt sich mit der Bildenden Kunst und fertigt Zeichnungen, Aquarelle, Ölgemälde und
Farbholzschnitte aber auch Gebrauchsgrafiken, Illustrationen, und Bühnenbilder an
- Kontakt und Mitarbeit im Schnitzerverein Falkenstein, Freundeskreis „Burgsteiner“ und
Künstlergruppe um Kurt Arnold Findeisen
- 1953 – 1980 Titelbilder „Auerbacher Kulturspiegel“
- er starb am 04.02.1992 in Ellefeld
Quelle: Horst Teichmann, Ellefeld
Bruno Paul - Fotograf, Maler, Grafiker und Künstler
Der Name Bruno Paul steht im Ostvogtland zwischen Falkenstein und Lengenfeld für eine Fotografen-Dynastie, beginnend mit Otto Paul, Falkenstein, und fortgeführt von seinen Söhnen, unter anderem Bruno, der aber neben dem handwerklichen vor allem das künstlerische der Fotografie perfektionierte.
Bruno Paul besuchte ab Ostern 1910 in Falkenstein die Trützschler- Stiftungsschule. Nach Schulabschluss erlernte er im väterlichen Betrieb das Fotografen-Handwerk. Er besuchte die Kunstschule Plauen, die in Falkenstein eine Außenstelle unterhielt. Diese beiden Ausbildungen formten seinen künftigen Lebensweg.
Zunächst mit der großformatigen Plattenkamera, später mit der handlichen Kleinbildkamera, entstanden Porträts, Natur- und Landschaftsfotos von hohem künstlerischen Wert. Bruno Paul begnügte sich nicht mit dem bloßen Ablichten der Motive, er experimentierte in der Dunkelkammer mit Tönungen und Doppelbelichtungen. In den zwanziger Jahren begann er den Schmalfilm für sich zu entdecken - Filmszenen von Segelflugversuchen in Falkenstein, Schöneck und Ellefeld wie auch von der Zeppelin-Landung bei Reichenbach zeugen davon. Das Metier „Diapositiv“ verfolgte er vom 12x12-Format bis zum Kleinbild - Grundlage für viele Dia-Vorträge, die er nach Ende des Zweiten Weltkrieges zusammen mit Friedrich Barthel hielt. Die Fotografie war aber nur eine Seite von Pauls künstlerischem Schaffen, sein grafisches Werk ist wohl als noch bedeutender einzuschätzen.
 
Nach der Ausbildung an der Kunstschule erwarb er sich ein vielseitiges künstlerisches Repertoire im Selbststudium. Er besorgte sich Lehrmaterial, probierte, verbesserte bis zur Vollendung. Er lernte von Vorbildern, besuchte Kunststätten und Ausstellungen. Bleistift-, Tusch- und Farbzeichnung, Aquarell, Ölgemälde, Ein- und Mehrfarben-Holzschnitt, Linolschnitt, Lithografie, Radierung auf Zink- und Kupferplatte - in diesen Techniken erprobte er sich und hatte Erfolg. In all dem widerspiegelt sich seine tiefe Liebe zur Natur, zur Vogtland-Heimat und deren Menschen.
 
Bruno Paul illustrierte Mundarthefte von Willy Rudert und Oswald Müller, er gestaltete Gebrauchsgrafik, Plakate, Einladungen, Bühnenbilder. Er pflegte freundschaftliche Kontakte zu den Falkensteiner Schnitzern und griff selbst zum Schnitzwerkzeug. Im Freundeskreis der „Burgsteiner" fühlte er sich von der Märchen- und Sagenwelt Hermann Vogels angezogen. Die Künstlergruppe um Kurt Arnold Findeisen wurde ihm zur geistigen Heimat. Seine Postkarten-Serien, dutzende Titelbilder des „Auerbacher Kulturspiegel" zwischen 1953 und 1980 zeugen von seinem vielseitigen Schaffen. Bruno Paul zog nach dem Tod seiner Frau nach Ellefeld. 1992 vollendete sich der Lebenskreis eines Menschen, der in bewundernswerter Weise die Liebe zur Heimat und seinen Menschen in grafische Werke umzusetzen vermochte.
 
Horst Teichmann, Ellefeld (Foto: privat)
 
Die Gemeinde Ellefeld würdigte ihn anlässlich des 20. Todestages 2012 mit einer umfassenden Retrospektive.
 
Der Kunstförderverein falkart e.V. zeigt eine Gesamtschau des Künstlers vom 20.10.2017- 13.04.2018 in der falkart-Galerie im Falkensteiner Schloss

Wolfgang Blechschmidt (links) und Horst Teichmann vor Tafeln der Bruno-Paul-Ausstellung. Links oben ein Porträt des Künstlers. Foto: Joachim Thoß

Ein Meister der Künste: Verein Falkart ehrt Multitalent

Von Bernd Appel / erschienen am 20.10.2017

Davon kann sich ab heute Abend jeder überzeugen: In der Falkart-Galerie im Falkensteiner Schloss (Sparkassengebäude) wird eine Ausstellung über das Multitalent eröffnet. Viele Werke sind erstmals zu sehen.

Teichmann lernte Bruno Paul erst am Ende seines schaffensreichen Lebens kennen, als dieser nach dem Tod seiner geliebten Frau von Falkenstein in ein kleines Haus nach Ellefeld umzog. "Er war ganz bescheiden", sagt der Ellefelder. "Er sagte immer: Ich mach das alles für mich und meine Leut"." Er entstammte der "Fotografen-Dynastie", die auch in Auerbach und Lengenfeld Geschäfte betrieb. Er erlernte den Fotografen-Beruf, besuchte gleichzeitig die Falkensteiner Außenstelle der Kunstschule Plauen. Damit waren die Weichen für seinen Lebensweg gestellt.

Von jeher experimentierte er in der Dunkelkammer, "reines Ablichten war nie seine Sache", so Teichmann. Er filmte Segelflugversuche in der Region sowie die Zeppelin-Landung in Brunn bei Reichenbach. Und er hielt mit den verschiedensten Techniken das fest, was ihm am Herzen lag: die vogtländische Landschaft, die einfachen Menschen seiner Heimat. Aus dem Vogtland kam er nie heraus - mit Ausnahme der unfreiwilligen "Reise" als Soldat an die Ostfront. Doch nicht "nur" Malerei, Grafik und das Filmen waren sein Metier: Paul widmete sich ebenso der Schnitzkunst, schnitzte gleich noch die Rahmen für seine Bilder. Auch an Plastiken versuchte er sich. Eine lebenslange und tiefe Freundschaft verband Bruno Paul mit Dr. Friedrich Barthel (1903 bis 1989), der als Heimatforscher und Mundartdichter bekannt wurde. Auch dies wird in der Ausstellung dokumentiert, ebenso wie Pauls Bindung an die "Burgstein-Freunde", eine illustre Runde von Freigeistern, die sich speziell für die Romantik in der Tradition Hermann Vogels begeisterte und regelmäßig gemeinsam auf Wanderschaft ging. Von 1953 bis zu dessen Einstellung 1980 gestaltete er die Titelbilder des "Auerbacher Kulturspiegels".

Um ein Haar wäre Bruno Pauls Werk nach seinem Tod "entsorgt" worden -Horst Teichmann konnte den Nachlass in letzter Minute sichern. Dieser zählt nun zum Fundus der Ellefelder Heimatfreunde. Aus diesem konnte der Falkensteiner Kunstförderverein Falkart schöpfen, der es sich auf die Fahnen geschrieben hat, das Andenken an verdienstvolle Söhne und Töchter der Stadt zu bewahren. "Zur Vernissage kann jeder kommen", betont Falkart-Vorsitzender Wolfgang Blechschmidt. Und rät: "Für diese Ausstellung sollte man sich Zeit nehmen, es gibt viel zu entdecken."