Gotthard Schettler Ehrung 2017

von Wolfgang Blechschmidt (Kommentare: 0)

Erinnerung an einen großen Mediziner Professor Dr. med. Dr. h. c. mult. Gotthard Schettler, einer der weltweit bekanntesten Internisten der Nachkriegszeit

Falkenstein setzt Ehrenbürger mit Weltruf ein Denkmal

Die Zweifeld-Sporthalle trägt seit Samstag den Namen des Mediziners Gotthard Schettler. Anlass ist dessen 100. Geburtstag.

Von Sylvia Dienel
erschienen am 22.05.2017

Falkenstein. Bislang war die Falkensteiner Zweifeld-Sporthalle namenlos. Jetzt trägt sie an ihrer Giebelseite den Schriftzug "Gotthard Schettler". Mit der Namensgebung als Teil einer Festveranstaltung am Samstag ehrte die Stadt ihren wohl größten Sohn: einen Internisten, der weltweit als Koryphäe auf dem Gebiet der Kardiologie und Arterioskleroseforschung gilt und Mitte April 100 Jahre alt geworden wäre.

Auch in der Halle fand eine Enthüllung statt. Dort hängt der Lebenslauf von Professor Schettler an der Wand. Gestaltet hat die Tafel Wolfgang Blechschmidt. Er saß am Samstag mit 60 Gästen und Gratulanten aus den Bereichen Kunst, Politik, Medizin und Kommunalverwaltung im Publikum. Blechschmidt gehört der Initiative Falkart an und damit zu jener Gruppe Künstler und Kunstinteressierte, die Gotthard Schettler wiederentdeckten. Falkart habe einen "wesentlichen Anteil", dass diese Würdigung überhaupt stattfinden könne, zollte Bürgermeister Marco Siegemund (CDU) den Ehrenamtlichen Respekt. Er sei "tief beeindruckt, was Professor Schettler in seiner Lebenszeit geleistet hat". Dieses Wissen müsse in der Stadt bewahrt werden. Der 1975 zum Falkensteiner Ehrenbürger ernannte und 1996 verstorbene Internist wirkte an mehreren westdeutschen Kliniken, verfasste weit über 600 Schriften und erhielt zahlreiche Auszeichnungen.

Von der Initiative ergriff Rainer Döhling das Wort. "Falkart liegt es am Herzen, für die Kunst und Künstler in dieser Stadt und Region etwas zu tun", betonte er. Das passiere noch viel zu selten. Auf welche Weise Medizin und Kunst eine Einheit bilden, zeigt der von Falkart am Samstag präsentierte Kunstkatalog "Gotthard Schettler. 1917 - Hommage - 2017". 190 Seiten stark und in einer Auflage von 2500 Exemplaren gedruckt, zeichnet es Schettlers Leben und Wirken nach, porträtiert Künstler aus der Region und stellt ausgewählte Architektur vor. Bei der Umsetzung des 15.000 Euro teuren Projektes konnte Falkart auf finanzielle Unterstützung von Stiftungen, der Stadt und Privatpersonen bauen. Mit dem Verkaufserlös sollen neue Projekte finanziert werden.

Silke König hörte - oder besser las - 2016 erstmals von Gotthard Schettler. In einem Ärzteblatt-Artikel sei von ihm die Rede gewesen, erinnert sich die kommissarische Ärztliche Direktorin der BG-Klinik Falkenstein. "Ich finde es toll, dass die Sporthalle seinen Namen trägt. Wir werden auch versuchen, ihn bekannt zu machen", sagte sie, bevor ihr Rainer Döhling einen Stapel Bücher überreichte.

Der Kunstkatalog ist zum Preis von 17,90 Euro in allen vogtländischen "Freien Presse"-Shops und in Falkensteiner Geschäften erhältlich.

Schettler würde im April 2017 seinen 100. Geburtstag feiern.
Er wurde am 13. April 1917 in der damaligen Textilarbeiterstadt Falkenstein im Vogtland geboren.
Eine besondere Ehrung erhielt Professor Schettler anlässlich seines 75. Geburtstages. Seine Vogtländische Geburtsstadt Falkenstein ehrte sein humanistisches Engagements mit der Würde der Ehrenbürgerschaft.
Professor Gotthard Schettler verstarb am 20. April 1996 in Heidelberg.
In Absprache mit seiner Familie möchten die Initiative falkart , die Interessengemeinschaft „Blauer Punkt e.V.“ und seine Geburtsstadt Falkenstein eine Würdigung in verschiedenster Weise, anlässlich seines 100. Geburtstages im April 2017 begehen.
Aus Anlass der Verdienste und des 100. Geburtstages von Prof. Dr. Gotthard Schettlerund und den dazu stattfindenden Feierlichkeiten, beabsichtigt die Initiative falkart zum Leben und Werk des großen Humanisten Prof. Dr. Schettler eine Hommage, unter anderem auch mit den an einer Kunstausstellung "Medizin KUNST" beteiligten Künstlern (Vita und eine Abbildung eines Ihrer Werke) in Form eines umfassenden Kataloges herauszugeben. An der Ausstellung werden 24 Künstler aus der Region beteiligt sein.
Die Vernissage findet am 07.04.2017 - 18:00 Uhr in der falkart-Galerie im Falkensteiner Schloss (Sparkasse) statt.
 

Zur Ausstellungseröffnung in der falkart-Galerie der Sparkasse Vogtland in Falkenstein kamen u.A. als Ehrengast und Laudator Christian Steyer (Schauspieler, Sänger, Pianist und Komponist / OFF-Sprecher der Doku-Soap Elefant, Tiger & Co. im MDR, der Bürgermeister der Stadt Falkenstein Marco Siegemund und das Mitglied des Deutschen Bundestages Yvonne Magwas. Sie überbrachte folgendes Grußwort:

Die einzigartige Ausstellung "Medizin KUNST“, von vogtländischen Künstlern zu Ehren des Falkensteiner Mediziners Prof. Dr. Schettler ist seit heute in der Sparkasse Falkenstein zu sehen. Die Medizin ist eine Wissenschaft, die von absoluter Genauigkeit lebt. Präzession, logisches Denken und exakte Planung von Abläufen, sind nur einige Fähigkeiten, die ein guter Mediziner braucht, um sein Handwerk zu beherrschen. Ein Mediziner arbeitet vor allem mit dem Kopf. Hier ist das Wissen über Anatomie oder Krankheitsbilder gespeichert.
Dem gegenüber die Kunst: Oft spontan, nur vom kreativen Gedanken geleitet, entsteht etwas anschauliches und spürbares, das uns emotional berührt. Ein Künstler arbeitet vor allem mit dem Herzen. Hier sammelt er die Eindrücke der Welt um ihn herum und seine Emotionen. Dies und vieles mehr macht er mit seiner Kunst sichtbar. Was so gegensätzlich klingt, zieht sich aber irgendwie an. Die Medizin war schon immer Thema in der Kunst. Denken wir zum Beispiel an die enorm große Sammlung anatomischer Zeichnungen Leonardo Da Vincis. Viele davon sind weltberühmt und von so großer Genauigkeit, dass sie über Generationen von Medizinern hinweg als Lehrwerke dienten. Sie waren aber schon immer mehr. Sie waren schon immer große Kunst. Mit ihnen hat Da Vinci etwas geschaffen, dass bis heute Bestand hat.
Ein Künstler auf seinem Gebiet, war auch Prof. Dr. Schettler. Als großer Pionier der Inneren Medizin hat er mit seiner Forschung auch etwas geschaffen, dass bis heute Bestand hat. Die Erkenntnisse für die innere Medizin, die er mit seiner Arbeit gewonnen hat, retten noch heute Leben. Den Sohn der Stadt Falkenstein zog es zum Studium und danach in die Welt hinaus. Trotzdem hielt er die Verbindung in die Heimat, hat seine Wurzeln nicht vergessen. Und so ist es eine angemessene Würdigung, die Prof. Schettler durch die Hommage in Buchform und diese Ausstellung erfährt. Dies wäre nicht möglich ohne das Engagement von falkart und die Familie von Prof. Schettler. Dafür danke auch ich Ihnen herzlich. Was Vogtländer wie Prof. Gotthard Schettler erkannt haben, sollten auch wir uns vor Augen halten: Das Vogtland ist nicht nur reich an schöner Natur, sondern wir haben hier wahre Kulturschätze - den Musikinstrumentenbau, Orchester, Chöre, Schriftsteller, Maler und zahlreiche Kunst- und Kulturinitiativen. Diesen Reichtum müssen wir bewahren und nach außen tragen. So können wir zeigen, dass Kultur nicht nur in den großen Städten einen Platz hat, sondern auch wir eine vielfältige Kulturlandschaft besitzen.Dies soll nun auch weiter über die Grenzen des Vogtlandes hinaus getragen werden: Mein Kollege aus dem Sächsischen Landtag, Sören organisiert derzeit mit falkart eine Ausstellung im Sächsischen Landtag. Doch nun freue ich mich zunächst, dass wir gleich gemeinsam die Ausbildung Ich möchte an dieser Stelle die Gelegenheit nutzen, um auch weiterhin für Ihre Unterstützung von „falkart“ zu werben, denn wir brauchen die Kunst. Der russische Schriftsteller Lew Tolstoi beschreibt ihre Wichtigkeit so: "Die Kunst ist wie die Nahrung oder richtiger, wie der Schlaf der zur Erhaltung des geistigen Lebens notwendig ist." In diesem Sinne: Bleiben Sie der Kunst gewogen, bleiben Sie „falkart“ gewogen!

Professor Dr. med. Dr. h. c. mult. Gotthard Schettler

  • am 13. April 1917 in Falkenstein geboren / wuchs als erster Sohn eines Handelsschullehrers in bescheidenen Verhältnissen auf

  • Oberschule in Auerbach / Schwerpunkt musische Fächer / Musik (Klavier)

  • 1936 Abitur und Beginn Studium der Medizin

  • 1942 Staatsexamen in Tübingen / Studienjahre an den Universitäten Jena, Leipzig, Wien und Tübingen

  • wissenschaftlicher Assistent am Pathologischen Institut unter Leitung Professor Letterer

  • nebenher Studium Chemie

  • 1945 – 1950 wissenschaftlicher Assistent an der Uniklinik in Tübingen bei Professor Bennhold

  • 1950 Habilitation durch die Medizinische Fakultät Tübingen

  • 1950 – 1956 Oberarzt Uniklinik Marburg

  • erste Begegnungen mit seinem großen Vorbild und Lehrer Professor Dr. H. E. Bock

  • 1955 Ernennung zum apl.Professor

  • 1956 – 1961 Direktor der Klinik Stuttgart-Bad Cannstadt /

  • Von 1961 – 1963 Direktor der II.Medizinischen Klinik und Poliklinik der Freien Universität Berlin

  • 1962 – 1990 1.Vorsitzender der Kongressgesellschaft für ärztliche Fortbildung e.V.Berlin

  • 1963 – 1986 Direktor der Uniklinik Heidelberg / Entwicklung seines modernen Konzeptes der Inneren Medizin / Seine in Tübingen sowohl in der Pathologie als auch in der Biochemie begonnenen Forschungen über die Beziehungen von Blutfetten und Arteriosklerose verschafften ihm schnell internationale Anerkennung

  • Prof. Schettler erkannte als einer der Ersten die Bedeutung des Cholesterins für die Veränderung der Gefäßwand / Seine Arbeiten haben die Entwicklung der Atherosklerose-Forschung bis in die Gegenwart beeinflusst

  • Weit über 600 Veröffentlichungen und grundlegende Buchbeiträge kamen aus seiner Feder

  • Internationale Anerkennung / ungewöhnlich frühen Mitgliedschaft mehrerer bedeutender und altehrwürdiger Forschergesellschaften / u.a. New Yorker Akademy of Science / Schwedische Akademie der Wissenschaften / Leopoldina und Heidelberger Akademie der Wissenschaften

  • 1986 – 1990 Präsident der Heidelberger Akademie der Wissenschaften

  • 1989 – 1991 Vorsitzende der Akademie der Wissenschaften der BRD

  • Ehrenpromotionen Technische Universität München 1973, die Universität of Edinburgh 1978, die Universität Padua 1983, die Universität Montpellier 1984, die Freie Universität Berlin 1986, die Semmelweis Universität Budapest 1987 und der Tongji University Wuhan - VR China 1992

  • Großen Bundesverdienstkreuzes der BRD mit Stern

  • 1992 Ehrenbürger der Stadt Falkenstein , anlässlich seines 75.Geburtstages

  • Professor Dr. med. Dr. h. c. mult. Gotthard Schettler verstarb am 20. April 1996 in Heidelberg

  • 2017 die Stadt Falkenstein, die Interessengemeinschaft „Blauer Punkt e.V.“ und die Initiativefalkart, ehren ihren großen Sohn mit zahlreichen Veranstaltungen

  • 20.05.2017 Namensgebung der Sporthalle

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